Safeguarding bei IRC: Mitarbeitende, Begünstigte und Kooperationspartner schützen

Von Sanj Srikanthan, Senior Vice President, Europa

Im vergangenen Jahr unterstützte International Rescue Committee (IRC) 26 Millionen Menschen, deren Leben durch Konflikte und Krisen erschüttert wurde.

43% unserer globalen Mitarbeitenden sind Frauen; die Mehrheit unserer Kunden sind Frauen. Und als führendes Unternehmen in der Gewaltprävention und -reaktion in Konfliktgebieten sind wir uns der Herausforderungen und der Bedeutung eines sicheren Umfelds für alle bewusst, sowohl in unserer Planung als auch in unseren eigenen Geschäftstätigkeiten.

IRC setzt sich nachdrücklich für Null-Toleranz-Kultur gegenüber sexueller Belästigung und sexueller Ausbeutung und Missbrauch am Arbeitsplatz und in unseren Programmen ein – sowie für ein sicheres Umfeld für anonyme Berichterstattung. Wir sind entschlossen, unsere Begünstigten und Mitarbeitenden durch Prävention vor sexueller Ausbeutung und Missbrauch sowie sexueller Belästigung zu schützen und im Falle von Fehlverhalten ohne Angst und Gefälligkeiten dagegen vorzugehen.

Strenge Richtlinien einführen und deren Einhaltung sicherstellen

Seit 2003 setzt IRC ein eigenes Team ein, das sich mit sexueller Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch befasst und dies verhindert. Wir werden die Arbeit, die sie in den letzten 15 Jahren geleistet haben, weiter verstärken. So ist beispielsweise die Prävention sexuellen Fehlverhaltens in diesem Jahr ein besonderer Schwerpunkt der globalen „IRC Way“-Trainings. Der IRC-Weg beschreibt den organisationseigenen Verhaltenskodex. Dieser soll von allen Mitarbeitenden verstanden und eingehalten werden – mit disziplinarischen Folgen, wenn sie dies nicht der Fall ist. Basierend auf unseren drei Kernwerten Integrität, Service und Verantwortlichkeit umfasst dies Richtlinien zu wichtigen Sicherheitsfragen und wie man Bedenken wegen vermuteten Fehlverhaltens äußern kann, einschließlich: 

  • Belästigungsfreier Arbeitsplatz

  • Schutz der Begünstigten vor Ausbeutung und Missbrauch

  • Bekämpfung von Menschenhandel

  • Kinderschutz

  • Globale Richtlinien zur Berichterstattung

Das „IRC-Way“-Training ist eine jährlich stattfindende, eintägige Veranstaltung, die für alle Mitarbeitenden, einschließlich des oberen Managements, obligatorisch ist. Das Training ist für IRC-Teams konzipiert, um die Werte von IRC und die Prinzipien, die unser Verhalten leiten, vollständig zu verstehen. Darüber hinaus gibt es für jeden Mitarbeitenden Beispiele und Ratschläge, wie er bzw. sie sein Verhalten an den Verpflichtungen von IRC gegenüber KollegInnen, KundInnen, SpenderInnen, Lieferanten, Partnern, der Organisation und der Gesellschaft ausrichten kann. Die verfügbaren Kanäle, um Bedenken zu äußern, werden erläutert, ebenso wie die Verfügbarkeit von Anonymität und die Anti-Vergeltungspolitik von IRC. Im Jahr 2018 betonte das „IRC-Way“-Training den Schutz und die Prävention sexuellen Fehlverhaltens mit einem Modul, das speziell auf sexuelle Belästigung ausgerichtet ist.

Am Ende des eintägigen Trainings werden alle TeilnehmerInnen gebeten, eine „Anerkennungs- und Zertifizierungserklärung“ zu unterschreiben.

Nachweis der Verantwortlichkeit gegenüber KundInnen und Überlebenden

Angesichts des schwierigen und komplexen Umfelds, in dem IRC tätig ist und Hilfe für die am stärksten gefährdeten Menschen der Welt leistet, kann es besonders schwierig sein, die Begünstigten zu ermutigen, über oberflächliche Bedenken und Fehlverhalten zu berichten. Dies knan jedoch keine Entschuldigung sein. Stattdessen müssen wir noch intensiver daran arbeiten, den Schutz unserer KundInnen und Mitarbeitenden zu gewährleisten.

Wie alle Hilfsorganisationen sind auch unsere Systeme nicht perfekt. Aber wir arbeiten daran, sie durch Pilotprojekte und eine genaue Analyse dessen, was funktioniert und was nicht, zu stärken.

So hat IRC beispielsweise einen Kundenfeedback- und Reaktionsmechanismus (FARM) im Nahen Osten getestet, der darauf abzielt, die Rate des Kundenfeedbacks innerhalb unserer Programme zu verbessern. FARM ermöglicht es den Mitgliedern der Community, ihre Beschwerden, Auskunftsersuche, Unterstützungsersuche, positives Feedback und Vorschläge einzureichen. Wenn wir Beschwerden erhalten, die gegen den IRC-Verhaltenskodex verstoßen, werden sie an die Ethics & Compliance Unit (ECU) zur Weiterverfolgung und Untersuchung weitergeleitet. Der Fokus von FARM liegt auf unaufgeforderten Kanälen, die Feedback zu jedem Thema geben, ohne gefragt zu werden. Die Kanäle selbst variieren je nach Standort, darunter Hotlines per SMS, WhatsApp & Viber, Helpdesks, Beschwerdeboxen und E-Mails. Eine der wichtigen Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt ist die Berücksichtigung der Auswirkungen kultureller Normen darauf, wie wir KundInnen zur Berichterstattung bewegen. Durch diese Vorgehensweise konnten wir das Feedback, das wir von den Gemeinden erhalten, die von unseren Nahostprogrammen betreut werden, deutlich erhöhen.

Geschlechtergleichstellung durch gewandelte Organisationskultur stärken

Natürlich betrifft sexuelle Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch sowohl Männer als auch Frauen, Jungen und Mädchen. Aber wir glauben, dass das Streben nach Gleichstellung der Geschlechter sowohl in unserer Planung als auch in unseren Geschäftstätigkeiten ein integraler Bestandteil ist, um eine gesunde Organisationskultur zu schaffen – in der von Fehlverhalten Betroffene ohne Angts dies melden können. Unsere Strategie 2020 verpflichtet sich ausdrücklich, dafür zu sorgen, dass Frauen und Mädchen die gleichen Ergebnisse erzielen wie Männer und Jungen und dass unsere Führung ausgewogener ist.

Im Jahr 2016 richtete IRC die „Gender Equality Unit“ ein, um als Katalysator für Veränderungen zu wirken. Kernaufgabe der zehn ständigen Mitarbeitenden ist es, Kapazitäten aufzubauen, Ratschläge zu erteilen und die Fortschritte von IRC in der Erfüllung seiner Verpflichtung zur Gleichstellung der Geschlechter zu überwachen. Sie arbeiten eng mit programmatischen und operativen Führungskräften zusammen, um die Entwicklung und den Austausch von Best Practices für das Unternehmen zu unterstützen und Leitlinien für den Wandel zu liefern. In den Ländern, in denen wir tätig sind, arbeitet die Einheit eng mit der Landesleitung zusammen, um Rechenschaftsstrukturen und Initiativen zur Gleichstellung der Geschlechter zu schaffen. Ein Beispiel für diese gemeinsam entwickelten Initiativen sind Schulungen für Mitarbeitende weltweit und in allen IRC-Büros, wie man sexuelle Belästigung verhindern, erkennen und melden kann.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Unterstützung des organisatorischen Wandels durch die Schaffung lokaler Foren und Mechanismen, um sich für die Gleichstellung der Geschlechter einzusetzen und eine Diskussion darüber anzuregen. Beispielsweise haben Länderprogramme lokale Gleichstellungsbeauftragte identifiziert, die Diskussionen und Aktivitäten organisieren, die sich auf die Gleichstellung der Geschlechter, die Stärkung der Rolle der Frauen und sexuelles Fehlverhalten konzentrieren.

Wir ermutigen die Gründung sich regelmäßig treffender Gruppen oder Gemeinschaften, damit Räume geschaffen werden, um am Arbeitsplatz zu diskutieren, Änderungen in der Führung vorzuschlagen und bei ihrer Umsetzung eine wichtige Rolle zu spielen. So bestehen beispielsweise Gruppen wie „IRC Cameroon's Women at Work“ (W@W) oder „Femmes Fortes“ aus IRC-Mitarbeiterinnen, die sich mit Unterstützung des Managements regelmäßig treffen, um konkrete Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter zu entwickeln und umzusetzen. Seit ihrer Gründung haben sie eine Reihe neuer Arbeitsplatzpolitiken vorgelegt, darunter getrennte WCs für Männer und Frauen in Büros, private Gebetsräume nur für Frauen und Tagespflegedienste im Büro.

Bedenken ernst nehmen und ein sicheres Umfeld für offene, angstfreie Kommunikation schaffen

Jeder IRC-Mitarbeiter bzw. jede IRC-Mitarbeiterin ist dafür verantwortlich, die Werte von IRC zu leben, unsere KollegInnen, KundInnen, SpenderInnen und Partner zu schützen und weiterhin qualitativ hochwertige Dienstleistungen für alle unsere Kunden zu erbringen. Wir ermutigen unsere Mitarbeitenden, bei Bedenken oder Problemen „zu sprechen und zu zuhören“, Fehlverhalten zu melden und bei Untersuchungen mitzuwirken.

IRC verfügt über strenge globale Richtlinien für die Berichterstattung und berät alle IRC-Mitarbeitenden darüber, wie sie Verstöße gegen die IRC-Richtlinien oder Aktivitäten melden können, die mit den IRC-Standards für professionelles Verhalten unvereinbar sind. Zu den wichtigsten Säulen gehören:

  • IRC verpflichtet alle Mitarbeitenden, direktes Wissen und begründeten Verdacht oder Bedenken über Verhaltensweisen zu melden, die mit dem „IRC Way“, Verstößen gegen die IRC-Organisationsrichtlinien, unabhängig von den lokalen Gesetzen, unvereinbar sind. Alle gemeldeten Fälle werden weiterverfolgt und können zu einer Untersuchung durch die Ethics & Compliance Unit führen.

  • In Übereinstimmung mit der „Anti-Retaliation and Reporter Protection Policy“ von IRC werden Vergeltungsmaßnahmen gegen einen Mitarbeitenden, der oder die sich in gutem Glauben beschwert oder über einen Verstoß gegen die IRC-Richtlinie oder ein anderes unzulässiges Verhalten berichtet hat, nicht toleriert. Mitarbeitenden, die das Gefühl haben, dass Vergeltungsmaßnahmen ergriffen werden, wird empfohlen, dies unverzüglich im Einklang mit den „Global Reporting Guidelines“ von IRC zu melden.

Die Ethics & Compliance Unit arbeitet unter der Leitung des „Chief Ethics and Compliance Officer“ der Organisation und ist dafür verantwortlich, dass IRC wirksame Richtlinien, Verfahren, Kontrollen, Prozesse und Systeme aufrechterhält und durchsetzt, um mutmaßliche Verstöße gegen unseren Verhaltenskodex, die Richtlinien und Verfahren von IRC, Gesetze, Vorschriften und andere relevante Anforderungen zu verhindern, aufzudecken und zu untersuchen. Als Hauptansprechpartner für die Meldung von Fehlverhalten und die Äußerung von Bedenken befasst sich ECU mit Vorwürfen im Zusammenhang mit den Aktivitäten von IRC und denen von Dritten, die im Namen von IRC handeln.

IRC unterhält eine unabhängige Whistleblower-Hotline (seit 2006) und andere Mechanismen, um den Mitarbeitenden mehrere Wege zu bieten, Bedenken zu äußern und potenzielles Fehlverhalten melden. Dazu gehört auch die Möglichkeit der anonymen Berichterstattung über EthicsPoint, ein vertrauliches telefon- und webbasiertes System, das von einem Drittanbieter betrieben wird und eine 24/7-Berichterstattung in mehreren Sprachen ermöglicht.

Sicherheitsmaßnahmen für Beschäftigte, Begünstigte und sonstige Partner von IRC treffen

Eine zentrale Herausforderung für den NRO-Sektor besteht darin, zu verhindern, dass TäterInnen von sexueller Ausbeutung und Missbrauch für eine anderen Arbeitgeber weiterarbeiten, sobald ihr Arbeitsverhältnis wegen Fehlverhaltens beendet wurde. Im Rahmen der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen verfügt IRC über strenge Verfahren zur Einstellung neuer Mitarbeitenden. Der Referenz- und Hintergrundprüfungsprozess von IRC ist auf Rolle, Organisationsebene, Informationsverfügbarkeit und Rechtsprechung zugeschnitten. Wenn möglich, beinhalten unsere Überprüfungen für die Einstellung von Außendienstmitarbeitenden eine Kombination von zwei bis fünf bisherigen Arbeitgeberreferenzen, Bildungs- und Hintergrundüberprüfungen sowie Datenbank-Checks: Anti-Terrorismus und Korruption, Straf-, Sexualstraftäter- und Verkehrsstrafenregister sowie Kreditstatus. Diese Verfahren helfen uns, sicherzustellen, dass unsere Mitarbeitenden nicht nur für ihre Aufgaben gut qualifiziert sind, sondern auch den persönlichen Hintergrund haben, angemessen mit KollegInnen und Begünstigten zu interagieren. Wir sind uns bewusst, dass eine Reihe von Herausforderungen bestehen bleiben und weiterhin mit anderen NROs und der britischen Regierung zusammenarbeiten werden, um unsere internen Prozesse zu stärken. 

Wir wissen, dass wir uns in dieser Frage nicht ausruhen können. Im Zentrum unserer Programme steht die Gewährleistung des gleichen Zugangs für Frauen und Mädchen, die im Krisenfall oft an den Rand gedrängt werden. In jedem Teil unserer Arbeit sind wir bestrebt, die Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen sowie Jungen und Mädchen zu verringern, um mehr Chancengleichheit zu schaffen. Jeder einzelne Mann und jede einzelne Frau, die für IRC arbeiten, sollten sich in ihrer Arbeit unterstützt und sicher fühlen. Jeder einzelne Mann, jede einzelne Frau, jeder einzelne Junge oder jedes einzelne Mädchen, denen wir im Rahmen unserer Programme dienen, sollten wissen, dass sie die bestmögliche Hilfe einer Organisation erhalten, die voll auf ihrer Seite steht. Deshalb war und ist der Schutz für uns eine Priorität.

Erfahren Sie mehr über die Ethik-Hotline.