Berufsorientierungskurs Care Forward: Geflüchtete Frauen erzählen

„Hallo. Ich bin Nour. Ich bin 30 Jahre alt. Ich komme aus Syrien. Ich bin in Deutschland seit einem Jahr und neun Monaten.“, so stellt sich Nour im Berufsorientierungskurs Care Forward für geflüchtete Frauen in Deutschland vor.

Nour musste ihre Heimat Syrien aufgrund des anhaltenden Krieges verlassen. Mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn machte sie sich auf den unvorstellbar strapaziösen Weg von Damaskus nach Berlin. Die Familie durchquerte die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien, ließ Kroatien und Österreich hinter sich. 2016 kamen die drei in Berlin an – völlig entkräftet, aber erleichtert, endlich in Sicherheit zu sein. Nour möchte sehr gern in Deutschland bleiben. Auch wenn sie derzeit noch vor einigen Herausforderungen steht – alles ist besser als das, was sie in den letzten Jahren in ihrer Heimat erleben musste.

Interesse für den Beruf der Krankenpflegerin

In Syrien unterrichtete sie als Lehrerin für Sozialwissenschaften an einer privaten Oberschule. Die größte Hürde bei der Suche nach Arbeit in Deutschland ist für Nour die Sprache, weshalb sie fleißig Deutsch lernt. Auf den Berufsorientierungskurs wurde sie durch eine Facebook-Anzeige aufmerksam und meldete sich sofort an. Im Berufseinstiegstraining lernte sie gemeinsam mit anderen Geflüchteten sehr viel – über Ausbildungsmöglichkeiten, den Bewerbungsprozess in Deutschland und wie man Lebensläufe schreibt. Durch den Kurs hat sie großes Interesse für den Beruf der Krankenpflegerin entwickelt. Und der Anfang ist gemacht: Nour kann sich auf ein Praktikum in einer renommierten Berliner Klinik freuen.

Neben der Arbeit zum zweiten Uniabschluss

Sie fühlt sich wohl in Deutschland, hat Fuß gefasst und hier ihren zweiten Sohn zur Welt gebracht. Alles, wovon sie immer geträumt hat, möchte Nour jetzt in Deutschland erreichen. Dazu zählt auch, ihren Master in Soziologie abschließen zu können. Dass es Care Forward gibt, macht sie froh. Die Initiatoren seien sehr engagiert und verdienten großen Respekt, weil sie es liebten, anderen zu helfen. Nicht zuletzt deshalb rät sie anderen Flüchtlingsfrauen auf der Suche nach Arbeit, die Initiative zu ergreifen und ebenso am Berufsorientierungskurs teilzunehmen.

Über die Berufsorientierungskurse

Care Forward ist ein Projekt zur Berufsorientierung geflüchteter Frauen im Bereich Pflege und Erziehung. Startpunkt ist ein zweiwöchiger Kurs, in dem die Teilnehmerinnen zunächst das Wesentliche rund um eine Beschäftigung in diesen Bereichen lernen: Welche Berufsbilder gibt es und wie steht es um Ausbildungsmöglichkeiten? Wie funktionieren die gängigen Bewerbungsverfahren? Auch das deutsche Arbeitsrecht und die Arbeitskultur hierzulande stehen auf dem Kursplan. Dabei werden Geflüchteten auch Jobs ohne formale Ausbildung vorgestellt, so etwa die private Senioren- sowie Kinderbetreuung oder die Arbeit als Haushalts- und Einkaufshilfe.

Die Kursteilnehmerinnen stammen hauptsächlich aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und dem Libanon. Um sicherzugehen, dass alle Kursinhalte verstanden und Rückfragen gestellt werden können, finden unsere Kurse auf Deutsch und Arabisch bzw. Dari statt sowie nach Bedarf in Tigrinya für eritreische Teilnehmerinnen. Der Kurs ist eine Zusammenarbeit von Care.com und IRC Deutschland.