„Ich weiß immer noch nicht, wo meine Eltern sind.“ Die tragische Geschichte einer 12-Jährigen

Als Kind gibt es kaum etwas Furchterregenderes, als von seinen Eltern getrennt zu sein. In den letzten Wochen war die Welt schockiert über die schrecklichen Geschichten von Kindern, die ihren Eltern an der mexikanisch-amerikanischen Grenze aus den Armen gerissen wurden. Die traurige Wahrheit ist, dass Konflikte und Gewalt Familien auf der ganzen Welt auseinander reißen.

Es sind Kinder wie die 12-jährige Nyaber aus dem Südsudan. Auch sie weiß nicht, wo ihre Eltern und Geschwister sind. Sie besuchte die Schule, als ihr Dorf überfallen wurde und sie zur sofortigen Flucht gezwungen war. Seitdem hat sie ihre Eltern und Geschwister nicht mehr gesehen. Es bleibt ihr nur die Hoffnung, dass sie sicher sind. „Ich hoffe, es geht ihnen gut. Und dass wir eines Tages wieder zusammen sind“, sagt sie.

Trotz des im August 2015 unterzeichneten Friedensabkommens brach der Konflikt im Südsudan 2016 wieder aus. Neben der Gewalt im Land herrscht extreme Nahrungsmittelknappheit. Mehr als 10.000 Menschen sind bereits verhungert.

Nyaber schaffte es nach Ganyliel, einem relativ sicherer Ort, wo IRC Unterstützung leistet. Sie beschreibt die Flucht dorthin als „schrecklich". Sie hat sich von Früchten und Seerosen ernährt, die sie unterwegs fand. Die 37-jährige Nyayian traf Nyaber auf dem Weg nach Ganyliel. Als sie Nyabers Geschichte hörte, nahm sie Nyayian mit nach Hause und kümmert sich seitdem um sie. „Sie war sehr traurig, als ich sie das erste Mal traf. Oft hat sie geweint, jeden Tag an ihre Eltern gedacht“, sagt sie.

Wegen des Krieges ist es kaum möglich, Landwirtschaft zu betreiben oder Arbeit zu finden. An Nahrungsmittel zu kommen ist daher ein täglicher Kampf für viele Sudanesen. „Nyabers Stimmung war so schlecht und es gab nicht genug zu essen. Es war eine sehr schwierige Zeit.“, sagt Nyayian. Doch sie gab nicht auf: weder den Kampf um Nahrungsmittel, noch den Kampf für Nyaber. Seit 2017 bekommen die beiden nun Lebensmittel über ein IRC-Programm in der Region.

Nyaber geht jetzt wieder zur Schule und träumt davon, Ärztin zu werden. Nyayian hat beoachtet, wie Nyaber sich zu einer freundlichen und rücksichtsvollen Person entwickelte: „Ich will, dass sie eine Ausbildung bekommt und unabhängig wird, damit sie anderen helfen kann.“

Seit über 20 Jahren ist IRC einer der größten Geber im Südsudan. Seit 2014 betreiben wir in Ganyliel ein Kinderschutzprojekt mit Mitteln der Humanitären Hilfe von ECHO. Unser Programm bietet unbegleiteten Kindern wie Nyaber die Unterstützung, die sie brauchen und arbeitet daran, sie mit ihren Eltern wieder zusammenzubringen.

Ob im Südsudan oder in den USA, kein Kind sollte gewaltsam von seinen Eltern getrennt werden. IRC arbeitet unermüdlich daran, Familien wieder zu vereinen.

 Um die Identität von Nyaber und Nyayian zu schützen, wurden die Fotos anonymisiert. 

Um die Identität von Nyaber und Nyayian zu schützen, wurden die Fotos anonymisiert.