Drei „staatenlose“ Fußballspieler und ihr Trainer haben einen Monat nach ihrer Höhlenrettung die thailändische Staatsbürgerschaft erhalten. Aber was genau bedeutet „staatenlos“?

Die Welt feierte die außerordentliche Rettung der „Wildschweine“, einer thailändischen Fußballgruppe, aus einem überfluteten Höhlennetz im Mai Sai Distrikt. Der Vorfall warf zugleich Licht auf eine humanitäre Krise an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar, die seit Beginn der Militärregierung in Myanmar in den 60er Jahren weitestgehend ignoriert wurde.

Drei der Jungen sowie ihr Trainer, der 25-jährige Ekkapol Chantawong, gehören zur staatenlosen Bevölkerung Thailands. Staatenlosigkeit ist ein ernstes und wenig verstandenes Problem, das in Regionen wie der von Konflikten geplagten Grenze zwischen Myanmar und Thailand häufig vorkommt. Staatenlose werden nicht als Staatsbürger eines Landes anerkannt.

„Theoretisch müssen alle Menschen unter der Obhut und dem Schutz mindestens eines Staates stehen“, sagt der thailändische Anwalt und Menschenrechtsaktivist Surapong Kongchantuk. „Aber tatsächlich gibt es mehr als 500.000 Menschen in Thailand, die keine Nationalität haben, obwohl sie in Thailand geboren und aufgewachsen sind.“

Obwohl Gesundheitsversorgung und Bildung für alle Menschen in Thailand angeboten werden, kann es laut Surapong mehr als zehn Jahre dauern, bis einige Staatenlose die Staatsbürgerschaft erhalten. Wer auf eine Entscheidung wartet, kann nicht legal arbeiten, ein Bankkonto eröffnen, reisen, wählen oder Eigentum besitzen. Ohne Dokumente droht Abschiebung sowie Ausbeutung wie sexuelle Gewalt, Menschenhandel und Zwangsarbeit.

 

Aber wie sind einige Mitglieder der „Wildschweine“ staatenlos geworden? Wie viele andere in dieser Situation kommen sie aus Minderheiten, die ethnischen Konflikten, Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlicher Not in Myanmar ausgesetzt waren. In vielen Fällen wird Staatenlosen bei der Geburt einfach die Staatsbürgerschaft verweigert. Hunderttausende von ihnen haben die Grenze zu Nordthailand überschritten.

Coach Ek war 18 Tage lang der einzige Betreuer der Jungen. Er selbst ist ein Mitglied der staatenlosen Shan-Gemeinschaft und sagt, dass der fehlende Status einiger Mitglieder des Teams das gesamte Team oft davon abgehalten hat, zu Auswärtsspielen zu reisen.  

Einer der jungen Spieler, Adul Sam-on, hat sich als unschätzbarer Übersetzer für die englischsprachigen Retter des Teams erwiesen hat. Er ist ein staatenloses Mitglied der Wa, einem selbstverwalteten Stamm, der von Myanmar oder Thailand nicht anerkannt wird. Aduls Eltern schmuggelten ihn nach Mai Sai, als er sechs Jahre alt war. Sie hoffen, dass er in Thialand eine Ausbildung erhält und dem Schicksal zu entkommt, Kindersoldat zu werden.

Adul wurde von einer örtlichen Baptistengemeinde aufgenommen und ist mit 14 Jahren der Stolz seiner Gemeinde. Er ist ein hervorragender Akademiker und Sportler, spricht fünf Sprachen und ein ausgezeichneter Schüler.

Dass nun drei der Jungen und ihrem Trainer nun die Staatsbürgerschaft des asiatischen Landes verliehen wurde, setzt ein noch glücklicheres Ende an diese unfassbare Rettungsaktion. Doch die Geschichte der Jungen hat Hoffnungen auf ein besseres Leben für alle Staatenlosen in Thailand geweckt.

International Rescue Committee in Thailand

Das IRC hilft Vertriebenen entlang der Grenze zwischen Thailand und Myanmar, ihre Rechte zu verstehen und erfolgreich nach geeigneten Rechtsmitteln zu suchen. Das IRC unterstützt auch Migranten-Netzwerke in Thailand und bietet etwa 100.000 Flüchtlingen, die in Lagern leben, wichtige Rechts-, Gesundheits- und Schutzdienste an. Lesen Sie mehr über unsere Arbeit in Thailand.