Fast vier Jahre Krieg in Jemen haben zur größten humanitären Katastrophe der Welt geführt.

Frauen und Mädchen leiden unter dem bewaffneten Konflikt besonders. Die bereits bestehende, in patriarchalen Strukturen und Normen wurzelnde Schutzbedürftigkeit und Ungleichheit verstärken sich durch den Konflikt. Insbesondere die Gewalt gegen Frauen hat seit Beginn des Kriegs 2014 deutlich zugenommen. Im November 2017 berichtete das Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung der Humanitären Hilfe (OCHA), dass die Anzahl der Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) während des Kriegs um mehr als 63 Prozent zugenommen hat. Unter GBV fällt beispielsweise Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Gewalt in Partnerschaften sowie Früh- und Zwangsehen für Mädchen.

Die direkten Auswirkungen der Kämpfe auf medizinische Einrichtungen und Personal, Beschränkungen der humanitären Hilfe sowie die unzureichenden Priorisierung der Belange von Frauen und Mädchen bei Gebern und bei der Vergabe von Mitteln. Letzteres wird dadurch zusätzlich erschwert, dass geschlechtsspezifische Ansätze in der humanitären Hilfe in Jemen nicht ausreichend in der Projektumsetzung berücksichtigt werden.

IRC fordert daher eine politische Agenda für Jemen mit einem transformativen Ansatz, die die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern in den Mittelpunkt stellt. Humanitäre Geber sind dabei insbesondere aufgefordert, die Finanzierung für die Prävention und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt zu erhöhen.

Derzeit zahlen Frauen und Mädchen den Preis für den Krieg in Jemen. Vor diesem Hintergrund spricht IRC folgende Empfehlungen aus:

1.   Humanitäre Organisationen, Geber, die UN und NROs sollten den Bedürfnissen von Frauen und Mädchen, besonders in Bezug auf Prävention und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt sowie auf reproduktive Gesundheit höhere Bedeutung einräumen.

2. Frauen sind elementarer Bestandteil der Lösung – UN und Geber müssen für eine wirkungsvolle Beteiligung von Frauenorganisationen an den Jemen-Friedensgesprächen sorgen.

3. Der Krieg in Jemen braucht eine politische Lösung – Großbritannien und andere Verbündete der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführten Koalition sollten mit ihrem beträchtlichen Einfluss dafür sorgen, dass der Konflikt in Jemen schnell de-eskaliert wird.

4. Die Menschen in Jemen brauchen jetzt Hilfe – die Kriegsparteien müssen alle Beschränkungen für humanitäre Hilfe aufheben und die Geber müssen ihre Finanzierungsverpflichtungen einhalten. Die Aufhebung dieser Beschränkungen sollte in der nächsten Runde der Friedensgespräche Priorität haben.

Wir haben die wichtigsten Punkte aus dem IRC-Policy-Paper zur Situation von Frauen und Mädchen im Jemen auf Deutsch für Sie zusammengefasst. In diesem Papier wird argumentiert, dass der Krieg verheerende Auswirkungen auf Frauen und Mädchen hat und dass eine Vernachlässigung geschlechtsspezifischer Aspekte bei humanitären Maßnahmen in ihrem weiteren Leben irreparable Schäden anrichtet.