Nina Alerić, unsere Regionalreferentin Bildung , stellt das Projekt “Healing Classrooms” aus der Rhein-Neckar-Region vor.

“Healing Classrooms” an deutschen Schulen

„Atmet tief durch die Nase ein, so, als würdet ihr an einer Blume riechen“, sagt die Lehrerin auf Arabisch, während sie eine Hand auf ihre Brust und eine auf ihren Bauch legt, „und dann atmet durch den Mund aus, als würdet ihr eine Kerze auspusten.“ Die Kinder ahmen es ihr nach. Einige machen daraus einen richtigen Sport und atmen um die Wette. Das alles geschieht in einem unscheinbaren, grauen Zelt, das im Libanon steht. Hier gehen geflüchtete Kinder aus Syrien jeden Tag zur Schule. Von außen wirkt es eher trostlos, doch innen eröffnet sich eine bunte Welt: Ein „Healing Classroom“ des International Rescue Committee (IRC). Hier machen die Kinder eine Achtsamkeitsübung, um ihren eigenen Stress zu regulieren und sich auf den Unterricht konzentrieren zu können.

Stressbewältigung

Doch Healing Classrooms können nicht nur geflüchteten Kindern und Jugendlichen im Libanon helfen. Auch in Deutschland gibt es viele Kinder und Jugendliche, die in ihrem Alltag Stress erleben. Herkömmlichen Stress kennen wir natürlich alle. Mit Herzklopfen und körperlicher Anspannung macht er sich bemerkbar. Oft kann er überlebenswichtig sein. Wenn wir aber durch widrige Umstände ständig „unter Strom“ stehen, dann kann sich dieser Zustand auf die Entwicklung, u.a. des Gehirns, auswirken. Kinder und Jugendliche, die in einem schwierigen Umfeld aufwachsen, häusliche Gewalt erleben oder Kriegs- und Fluchterfahrungen machen, erleben dauerhaften, negativen Stress, der ihre Stärken überschatten und ihnen das Lernen erschweren kann.

Sicheres Umfeld schaffen

Manche werden aggressiv, anderen fällt es schwer, ihre Gefühle zu kontrollieren und wieder andere können sich so gar nicht auf den Unterricht konzentrieren. Damit Schülerinnen und Schüler sich wieder komplett auf den Unterricht einlassen können, müssen Sie wissen, dass sie in einem sicheren Umfeld sind. Denn ein Jugendlicher, der zum Beispiel aus dem Krieg geflohen ist, hat erlebt, wie es ist, die Geschehnisse um ihn herum nicht kontrollieren zu können. Das kann ein Ohnmachtsgefühl oder Unsicherheit auslösen. Wenn er also zur Schule geht, gilt es erstmal ihn davon zu überzeugen, dass er sich nun in einem geschützten Umfeld befindet, in dem er vertrauensvolle Beziehungen aufbauen kann, die auch Konflikte aushalten. In diesem geschützten Umfeld können Lehrerinnen und Lehrer dann die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen stärken. Sei es Konflikt- und Beziehungsfähigkeit, Gefühlsregulierung, Beharrlichkeit oder auch Konzentrationsfähigkeit – das alles sind Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler besonders in der Welt außerhalb der schützenden Fassade der Schule brauchen werden.

Workshops in Schulen

International Rescue Committee (IRC) Deutschland gibt Schulkollegien die Möglichkeit, in Workshops mehr über die Schule als stabilisierendes Umfeld zu lernen und konkrete Übungen und Unterrichtsansätze auszuprobieren. Darüber hinaus stehen verschiedene Unterrichtsmaterialien und Austauschmöglichkeiten zur Verfügung. Das umfasst natürlich nicht nur das Atmen, das die Lehrerin im Libanon ihren Schützlingen erklärt. Auch wenn Achtsamkeitsübungen ein wichtiges Mittel sind, um Kinder und Jugendliche dazu zu bringen, ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten und dadurch in Stresssituationen wieder herunterkommen zu können. Wenn sie das schaffen, dann lassen sich viele Situationen viel leichter bewältigen.

IRC bietet in der Metropolregion Rhein-Neckar Healing-Classrooms-Workshops an Berufsschulen an. Wenn Sie Interesse an dem Programm haben, melden Sie sich gerne bei Nina Alerić, Regionalreferentin Bildung, Mobil: 0176 345 71 235, E-Mail: nina.aleric@rescue.org.