Schauspielerin Lena Headey, die in der Serie “Game of Thrones” die Rolle der Cersei Lannister spielt, unterstützt IRC dabei, weltweite Aufmerksamkeit für die akute Lage in Flüchtlingslagern zu schaffen. Sie ist im März 2019 bereits das zweite Mal nach Griechenland gereist, um Menschen zu treffen, deren Lebensgrundlage durch Konflikte und Katastrophen zerstört wurde. In den Lagern Moria und Kara Tepe hat Lena Eindrücke gewonnen, die sie dazu bewegt haben einen Appell für bessere psychologische Betreuung von Menschen mit Fluchterfahrung zu verfassen. Der hier veröffentlichte Artikel ist eine Übersetzung ihres zuerst bei The Hollywood Reporter erschienen Beitrags.

Lena Headey mit einer Familie im Flüchtlingslager Kara Tepe.

Lena Headey mit einer Familie im Flüchtlingslager Kara Tepe.

Lena Headeys Appell für die psychologische Betreuung von Menschen mit Fluchterfahrung

Dies hier zu schreiben ist wirklich schwierig. Die Lage ist kompliziert. Sehr politisch. Das Problem ist nicht sexy, nicht cool, es wird von der Mehrheit einfach ignoriert. Aber es wird nicht verschwinden, es wird nicht aufhören, also müssen wir eine Lösung finden.

2016 habe ich Griechenland zum ersten Mal mit International Rescue Committee besucht. Ich bin nach wie vor erstaunt über die Menschen, die ich treffe - die Menschen, die sich Tag für Tag der Realität hier stellen.

Obwohl die Reise kurz war, war es ein volles Programm. Wir verstehen das große Ganze nur, wenn wir die vielen Einzelteile betrachten. Im von IRC unterstützten Zentrum für psychische Gesundheit in Mytilene traf ich ein Team von Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen und Dolmetscher*innen. Sie betreuen Flüchtlinge aus dem Lager in Moria, die besonders unter der schwierigen Situation vor Ort leiden. Das Lager ist total überfüllt - es ist für 3.000 Menschen ausgelegt, aber fast doppelt so viele sind derzeit hier untergebracht. Kurz vor Weihnachten waren es dreimal so viele.

Ich habe mit einem jungen Mann gesprochen, der mich sehr beeindruckt hat. Patrick ist intelligent und stark. Sich mit ihm zu unterhalten war ein Privileg. Er wollte nicht über seine Reise hierher sprechen, aber ich habe erfahren, dass er zu Hause im Kongo als Menschenrechtsaktivist und Sozialarbeiter aktiv war. Er sagt, dass ihn die Hilfe, die er im Zentrum für psychische Gesundheit erhielt, gerettet hat: "Diese Stärke, die du jetzt siehst: ich hatte sie damals nicht." Heute hilft er den Schutzbedürftigen im Lager. Er gibt ihnen Kraft und Hoffnung an einem Ort, wo es wenig gibt, woran sich die Menschen festhalten können.

Lena mit Patrick: Er ist selbst Geflüchteter aus dem Kongo und leistet Menschen in Moria Beistand.

Lena mit Patrick: Er ist selbst Geflüchteter aus dem Kongo und leistet Menschen in Moria Beistand.

Selbstmordversuche in Moria

60 Prozent der von IRC betreuten Menschen in Moria haben an Selbstmord gedacht. 30 Prozent haben versucht, sich das Leben zu nehmen. Überbelegung, fehlende sanitäre Einrichtungen und Gewaltausbrüche sind nur einige der Probleme. Die Menschen müssen bis zu drei Stunden für Lebensmittel Schlange stehen und sind dabei wie Vieh eingezäunt. Und das für Lebensmittel, die quasi keine Nährwerte enthalten. Einige Menschen entscheiden sich dafür, zu verhungern, statt sich den Gefahren des Anstehens zu stellen: Sexuelle Gewalt ist ein alltägliches Phänomen.

Hier in Moria ist die psychologische Betreuung begrenzt. Immer wenn meine mentale Gesundheit beeinträchtigt war, habe ich Hilfe gesucht und Methoden und Menschen gefunden, die dafür gesorgt haben, dass es mir wieder gut geht. Die psychische Unterstützung des IRC-Teams bietet für viele Menschen in Moria eine Rettungsleine. Dadurch dass die Betroffenen aber an einen Ort ohne Schutz und Unterstützung und einer unsicheren Zukunft zurückkehren müssen, wird ihre Heilung verzögert.

IRC Zentrum für mentale Gesundheit in Kara Tepe

Ich sprach mit einer Gruppe afghanischer Männer, die jetzt in Kara Tepe leben. Obwohl dieses Flüchtlingslager nur fünf Minuten von Moria entfernt ist, liegen Welten zwischen den beiden Lagern. In Kara Tepe gibt es einen Kiosk für Hygieneartikel. Das Lager ist nachts beleuchtet. Es gibt Gemeinschaftsküchen, einen Spielplatz, einen Kindergarten. Jede Familie bekommt einen eigenen Wohncontainer zugewiesen. Die Menschen wollen nicht hier sein, aber zumindest ist es eine sicherere Umgebung. Die meisten von ihnen sind Väter. Ein Mann erzählte mir, dass seine Kinder ihn oft fragen, welche Sprache sie lernen sollten: Griechisch, Deutsch oder Englisch? Da sie nicht wissen, wo ihr neues Zuhause sein wird, hat er keine Antwort darauf.

Lena im IRC Zentrum für mentale Gesundheit

Lena im IRC Zentrum für mentale Gesundheit

Eine Herausforderung für ganz Europa

Die Frage nach dem “Warum” bleibt. Moria soll offensichtlich eine Warnung an diejenigen sein, die noch immer über das Meer reisen und täglich auf den Inseln ankommen: “Komm nicht hierher.” Frauen wie Männer sind hier sexueller Gewalt ausgesetzt. Oft begegnen die Betroffenen ihren Peinigern im Lager, wo sie Seite an Seite leben. Keine Behandlung kann diesen Menschen helfen, über die Gewalt, die sie erlitten haben, hinwegzukommen, wenn sie dann an einen Ort zurückgedrängt werden, an dem sie völlig ungeschützt sind.

Dieses Problem kann nur gelöst werden, wenn es als europäische und nicht nur als griechische Verantwortung gesehen wird. Griechenland wird damit allein gelassen, die bereits angekommenen und neu ankommenden Flüchtlinge mit Essen zu versorgen, Unterkünfte bereitzustellen und Asyl zu gewähren. Und dies allein aufgrund der geografischen Lage. Das ist nicht richtig. Ganz Europa muss sich dieser Herausforderung stellen und gemeinsam die Flüchtlinge willkommen heißen, die auf einem so gefährlichen Weg zu ihren Ufern kommen. Das heißt auch, legale Einreisewege zu ermöglichen. Denn nur so gelangen die Menschen, die Schutz suchen, auch sicher hierher.  

Ich bin stolz darauf, meine Stimme für IRC einzusetzen. Bei meinen Programmbesuchen in Griechenland und Deutschland bekomme ich Einblicke in entscheidende Lebensmomente von Flüchtlingen. Da ich mich für mentale Gesundheit engagiere, hat mich das Programm auf Lesbos sehr berührt. Als Fürsprecherin von Geflüchteten nutze ich diese Reise, um deren akute Notlage zu betonen. Die Situation der Geflüchteten ist ein schwieriges und vielschichtiges Thema. Ignoranz und Hass sind keine Lösung. Integration, Bildung und Gleichberechtigung sind der Schlüssel, und dazu müssen wir alle unseren Teil beitragen.