Jemen: Durch Angriffe auf Al-Hudaidas Hafen droht Hungersnot

Jemen: Durch Angriffe auf Al-Hudaidas Hafen droht Hungersnot

Jemen: Luftangriffe der Koalition aus Saudi-Arabien und VAE auf Al-Hudaida; von IRC unterstützte Gesundheitseinrichtung beschädigt

  • Nächtliche Luftangriffe in der Stadt Al-Hudaida missachten die Waffenruhe. Hunderttausende Zivilisten sind in Gefahr, Millionen wären von einer Hungersnot bedroht, wenn der Hafen zerstört wird. Weitere Angriffe der Koalition könnten eine humanitäre Katastrophe auslösen.
  • in von IRC unterstütztes Gesundheitszentrum wurde beschädigt und musste den Betrieb bis auf weiteres einstellen.
  • Trotz der erschwerten Bedingungen aufgrund der Kämpfe baut IRC Gesundheits-, Ernährungs-, Wasser- und Sanitärdienste in Al-Hudaida und Umgebung weiter aus.

Berlin, 27. Juli 2018 — Ein von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geführter Luftangriff in der für den Jemen wichtigen Hafenstadt Al-Hudaida hat über Nacht eine medizinische Einrichtung des Gesundheitsministeriums beschädigt, die vom International Rescue Committee (IRC) unterstützt wird. Die Institution musste ihre Arbeit einstellen. Wichtige medizinische Dienste für eine bereits gefährdete Bevölkerung konnten nicht mehr bereitgestellt werden. IRC übernimmt die Gehaltszahlungen an Hebammen, die schwangere und stillende Frauen in der Einrichtung versorgen sowie Geburtshilfe leisten. Zudem versorgt IRC die Klinik mit wichtigen Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und Zugang zu sauberem Wasser. Ohne diese grundlegenden Dienste ist die Bevölkerung von Al-Hudaida dem Risiko einer humanitären Katastrophe ausgesetzt. IRC hatte die Koordinaten der Einrichtung den Koalitionstruppen bekanntgegeben. Der Luftangriff wurde im Wissen durchgeführt, dass es in der Gegend von IRC unterstützte Projekte gibt.

„Alle Parteien sind dafür verantwortlich, den Zugang zu solchen medizinischen Diensten zu gewährleisten und zu schützen. Dennoch haben immer wieder Angriffe durch die Koalition zur Zerstörung wichtiger ziviler Infrastruktur geführt“, sagte Frank Mc Manus, IRC-Landesdirektor im Jemen. „Wenn die Konfliktparteien weiterhin einen verheerenden Krieg in der Stadt Al-Hudaida führen, tun sie dies in vollem Bewusstsein über die Folgen für die Zivilbevölkerung. Sie sind laut internationalem Recht verpflichtet, den Schutz der Zivilbevölkerung und den ungehinderten Zugang des IRC und anderer Hilfsorganisationen zu gewährleisten, um humanitäre Hilfe zu leisten.“

Die Lage im Jemen zählt bereits zu den größten humanitären Krisen der Welt. In Anbetracht der verheerenden Auswirkungen eines Angriffs auf Al-Hudaida auf die humanitäre Lage im Jemen, hatte die von Saudi-Arabien und den VAE geführte Koalition ihren Vormarsch auf die Hafenstadt unterbrochen. Damit gab sie dem UN-Sonderbeauftragten mehr Zeit, eine politische Lösung zur Beendigung der Krise in der Stadt zu verhandeln. Die Luftangriffe, die diese Pause nun verletzten, kamen einen Tag nachdem die Huthi behaupteten, einen Drohnenangriff auf einen zivilen Flughafen in den VAE durchgeführt zu haben. Die Vorbereitungen der Huthi auf Kämpfe in der Stadt verschärfen die Situation für die Zivilbevölkerung zusätzlich. Truppen der Huthi heben Gräben aus, beschädigen damit weiter die Infrastruktur und erhöhen das Risiko eines Cholera-Ausbruchs. Bereits im Jahr 2017 waren 15 Prozent der landesweit eine Million Cholera-Fälle in Al-Hudaida aufgetreten.  

„Nicht nur, dass der städtische Krieg Tausende von Menschenleben gefährdet, wichtige Märkte und Geschäfte zwingt zu schließen und den humanitären Zugang begrenzt. Kämpfe in Al-Hudaida schränken auch den Betrieb des Hafens ein und können Hungersnöte auslösen“, sagt Mc Manus. „Mehr als acht Millionen Jemeniten stehen bereits kurz vor der Hungersnot. 80 Prozent der Nahrungsmittel- und Treibstoffimporte sind abhängig vom Hafen von Al-Hudaida. Schon jetzt werden die Nahrungsmitteleinfuhren in Al-Hudaida im Juli weniger als die Hälfte des Bedarfs für diesen Monat decken. Dass selbst kleinere Störungen des Hafenbetriebs verheerend sein werden, liegt auf der Hand.“

„Selbst wenn der Hafen offenbleibt“, so Mc Manus weiter, „werden wahrscheinlich nur wenige Schiffe bereit sein, anzulegen, solange es einen aktiven Konflikt in der Nähe gibt. Selbst wenn die Schlacht relativ schnell zu Ende gehen sollte, wird es dauern, bis der Hafen seine zentrale Rolle als wirtschaftliche und humanitäre Lebensader für den Jemen wieder ausfüllen kann. Bereits eine einzige beschädigte Gesundheitseinrichtung in der Stadt zeigt, welche schwerwiegenden humanitären Auswirkungen die Kämpfe haben.“

Seit vier Jahren herrscht Krieg im Jemen, der als die größte humanitäre Krise der Welt gilt. 22 Millionen Menschen benötigen Hilfe. Nur die Hälfte der jemenitischen Gesundheitseinrichtungen sind in Betrieb, sowohl in von den Huthi als auch von der Regierung kontrollierten Gebieten. 120.000 Jemeniten wurden bereits durch die Kämpfe in Al-Hudaida und Umgebung vertrieben. Schätzungsweise 250.000 Menschen könnten ihr Leben verlieren. Wer die Stadt verlassen konnte, hat dies wahrscheinlich bereits getan. Die Schwächsten bleiben zurück.

IRC nutze die relative Ruhe, die mit der militärischen „Pause“ einherging, um die Bereitstellung kritischer Dienste in Al-Hudaida und Umgebung wieder in Gang zu bringen: Stationäre Gesundheitseinrichtungen werden unterstützt, mobile Gesundheits- und Ernährungsdienste für die durch die Kämpfe Vertriebenen bereitgestellt. Die letzten 24 Stunden aber zeigen, dass es immer riskanter wird, auf diese Dienstleitungen zuzugreifen. Unterstützt wird die humanitäre Hilfe des IRC im Jemen vom Auswärtigen Amt.

Weitere Informationen zum Jemen: https://www.rescue.org/country/yemen

 

IRC leistet dringend benötigte medizinische Versorgung für Geflüchtete auf beiden Seiten der syrisch-libanesischen Grenze

IRC leistet dringend benötigte medizinische Versorgung für Geflüchtete auf beiden Seiten der syrisch-libanesischen Grenze

IRC leistet dringend benötigte medizinische Versorgung für Geflüchtete auf beiden Seiten der syrisch-libanesischen Grenze

  • IRC initiiert mobile Gesundheitsversorgung an der Grenze zum Libanon
  • Auch in Quneitra, nahe der Golanhöhen, liefert IRC finanzielle und medizinische Hilfe
  • Aufgrund von Kämpfen muss IRC Hilfsprogramme im östlichen Dar’a einstellen

Berlin, 5. Juli 2018 — Aufgrund neuer Luftangriffe in Südsyrien sind weitere 320.000 Menschen auf der Flucht. Das International Rescue Committee (IRC) verstärkt daher seine medizinische Versorgung auf beiden Seiten der syrisch-libanesischen Grenze. Durch die heftigen Kämpfe in Südsyrien musste die Hälfte der IRC-Mitarbeitenden die Region selbst verlassen und war gezwungen, die Hilfsprogramme im Osten von Dar’a einzustellen.

Schätzungsweise 60.000 Menschen haben aufgrund intensiver Luftangriffe das östliche Dar’a verlassen. Eine mobile Klinik von IRC versorgt Patientinnen und Patienten an der Jaber-/Bassib-Grenze. Teil des Gesundheitsteam sind ein Arzt, eine Krankenschwester und eine Hebamme. In der Grenzregion stellt IRC damit das einzige Fachpersonal zur Gesundheitsversorgung von Müttern.

Das medizinische IRC-Team berichtet, dass die Patientinnen und Patienten extrem unter der enormen Hitze von bis zu 45°C leiden. Die direkte Sonneneinstrahlung, der Wassermangel sowie Wüstenwinde, Skorpione und Schlangen setzen ihnen besonders zu. Die Vereinten Nationen berichten, dass bisher zwölf Kinder an der Grenze verstorben sind.

Schätzungsweise 160.000 Menschen sind aufgrund der Angriffe im Westen von Dar’a in die Quneitra Provinz geflohen. Zwei mobile medizinische Teams erreichen derzeit Geflüchtete, die Zuflucht in vier Orten in der Nähe der Golanhöhen gefunden haben. Die Menschen befürchten weitere Bombardierungen. Aus Zelten haben sie sich einfache Zelte gebaut, um sich vor der Sonne zu schützen. Sanitäranlagen und Strom fehlen. Viele der Kinder leiden an Durchfall und Läusen.

Mark Schnellbaecher, IRC-Vizepräsident für die Nahost-Region, sagt: „Wir erreichen Menschen in einer verzweifelten Situation. Sie brechen in Panik auf und finden sich letztlich an Orten wieder, wo es am Dringlichsten fehlt: Wasser, Unterkünfte, Toiletten. Wir sorgen uns sehr um die Sicherheit von Hunderttausenden Syrerinnen und Syrern, die an der Grenze festsitzen. Die Bombardierungen und Kämpfe müssen sofort aufhören, sodass den Menschen geholfen werden kann.“ 

IRC unterstützt fünf weitere Klinken in Südsyrien. Über 700 Familien in Quneitra erhielten Nothilfe in Form von Bargeldzahlungen in Höhe von 150 US-Dollar, um Wasser, Lebensmittel, oder Unterkünfte zu bezahlen. IRC plant weitere solcher Zahlungen an mehr als 5.000 geflüchtete Familien im Laufe der nächsten Woche. Für besonders verletzliche Familien wird zudem sichergestellt, dass sie die notwendige Hilfe bekommen.

Im Jahr 2017 versorgte IRC mehr als 250.000 Menschen in Südsyrien. 50.000 Menschen erwarben mit Hilfe von IRC ein Einkommen. 1.000 Menschen erhielten die notwendigen Rechtsdokumente. Mehr als 800 Kindern lernten Lesen, Schreiben und Rechnen.